Was ist ein Autor?

Auf Twitter kam heute die Frage auf, was denn ein richtiger Autor wäre. Konkret ging es darum, ob ein Schreiber von FanFiction als richtiger Autor anzusehen ist. Diese oder ähnliche Fragen bewegen jeden meiner schreibenden Bekannten. Und nicht nur die. Das Internet ist voll von Diskussionen, ob ein Autor nur ein Autor ist, wenn er veröffentlicht hat. Und bei einem „richtigen“ Verlag. Und ob ein Selfpublisher denn ein Autor ist? Aber wenn er mehr als 1000/3000/48 Million Bücher verkauft hat?

Viele dieser Diskussionen werden mit Leidenschaft geführt, wie es sich für Herzensthemen gehört. Andere aber gleiten in Glaubenskämpfe ab, gegen die sich die Kreuzzüge wie eine mittelalterliche Bildungsreise ausnehmen. Da wird die eigene Meinung als die einzig Richtige angesehen, alle anderen als dumm oder „der Sache“ schadend angesehen, und das hohe Ross wird so oft bestiegen, dass es mich wundert, dass das arme Viech nicht schon längst weggerannt ist.

Für mich ist das Thema viel zu komplex, um es an einer Zahl oder an einem Vertrag festzumachen. Hier meine ganz eigene Meinung: Was ist ein Autor?

1. Du hast eine Geschichte a) geschrieben und sie b) beendet.
Ein Autor schreibt. Und er wird mit seinem Kram fertig. Er kämpft sich durch die Schwierigkeiten, gibt nicht einfach auf, sobald es schwierig wird, sondern macht weiter, bis zum Schluss. Auch wenn der Schluss ihm wie Mist vorkommen mag. Wenn du also eine oder 15 Geschichte begonnen hast, Cool, schreib weiter! Du bist ein werdender Autor. Aber um Autor zu sein, musst du für mich auch etwas beenden.

2. Nachdem du deine Geschichte beendet hat, nimmst du sie dir wieder vor, und machst sie zur besten Geschichte, die dir möglich ist.
Wie du das machst, Testleser, Betadurchgänge, göttliche Intervention, ist dir überlassen. Aber wenn du eine Geschichte schreibst, aber sie nie mehr anschaust, sie nicht verbessern willst? Sorry, kein Autor!

3. Du willst mehr!
Noch während du deine Geschichte schreibst, kommen dir mehr Ideen. Plotfetzen, Charaktere, die nicht in dein jetziges Projekt passen. Du magst froh sein, wenn du dein aktuelles Schreibprojekt abgeschlossen hast. Aber irgendwo in dir ist eine Stimme, die immer lauter sagt „los, noch eins!“

Und das wars, zumindest, was mich betrifft. Für mich ist Autorsein nicht so sehr eine Ehrenbezeichnung, von außen verliehen, als vielmehr eine Identität, eine Denkweise, ein Geist, der in Flammen geraten ist, und für den eine Geschichte nie genug sein wird.

Wie seht ihr das? Was sind eure Kriterien, die einen Autor ausmachen? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

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3 Gedanken zu „Was ist ein Autor?

  1. Das finde ich eine sehr schöne Definition.
    Und danke für den genialen Vergleich mit den Kreuzzügen als Bildungsreise: hab laut gelacht und es beschreibt manche (online) Diskussionen perfekt.

  2. Sehr schön. Wirklich sehr schön. Und hat mich zum Schmunzeln gebracht. Denn grade befinde ich mich echt in einer Sinnkrise. Das geht jetzt schon einige Wochen so. Eigentlich seit Veröffentlichung meines abschließendes Bandes Sternenstaub.
    Seitdem frage ich mich: Will ich das noch? Will ich weiter Autor sein?
    Und unbewusst habe ich damit für mich die Definition gesetzt, die du hier in Worte fasst. Denn ja, bisher habe ich mich als solcher gesehen. Ich habe geschrieben, ich habe verworfen, ich habe konzipiert und neu geschrieben und einen Epos von 1660 Seiten gefüllt.
    Auch neue Ideen sind da, drängen sich in den Vordergrund, doch der Wille, sie umzusetzen, weiter zu machen, sich durchzubeißen, der ist plötzlich weg.
    Gut Okay, vermutlich ist das wirklich die After-Release-Depression, durch die ich durch muss. Doch es zeigt mir, selbst wenn diese Bücher ja weiterhin erhältlich bleiben: Höre ich auf zu schreiben, neue Werke zu schaffen, dann höre ich auf Autor zu sein. Dann war ich es mal und werde dann nur zu jemandem, der Bücher geschrieben hat und versucht, sie ans Volk zu bringen.

    Danke auf jeden Fall für deinen Einblick und diese wunderschöne Definition. 🙂

    • Du bist auf jeden Fall ein Autor. Und dass du nach Veröffentlichung deines Epos erst mal eine Pause brauchst, ist doch mehr als verständlich.
      Es gibt sicher gute Gründe für dich, möglichst schnell wieder mit dem Schreiben anzufangen. Backlist aufbauen, etc. pp.
      Aber die Angst, dass du ansonsten kein Autor mehr bist, gehört nicht dazu. ich denk, wenn du in 2-3 Jahren immer noch keine Lust hast auf neue Geschichten, dann kannst du dir darüber Gedanken machen. Bis dahin bist du in der Hinsicht absolut auf der sicheren Seite.

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