Was ist Urban Fantasy? – die kurze Antwort (Teil 1/2)

Urban Fantasy – der Drachentöter in Gamla Stan, Stockholm

 
Anmerkung: nachdem die „Kurze“ Antwort so lang ausgefallen ist, habe ich sie in zwei Teile geteilt. Liest sich einfach besser…

Ich weiß nicht, wie viele solcher Gespräche ich in den letzten Jahren geführt habe:

Partygast: Und, was machst du sonst so?
Ich: Ich bin Autorin.
Partygast: Das ist ja total interessant. Was schreibst du?
Ich: Urban Fantasy.
Partygast: ….. äh, Fantasy, so wie Herr der Ringe? Mit Trollen?
Ich: nicht ganz. Urban Fantasy ist auch mit Trollen, aber in der wirklichen Welt.
Partygast: in der wirklichen Welt? Das versteh ich nicht.
Ich: stell dir vor, hier käme jetzt ein Troll rein. Dann wärst du in einer Urban Fantasy Geschichte.
Partygast: … versteh ich immer noch nicht.
Ich: mit wachsender Verzweiflung: Du hast Magie in der alltäglichen Welt?
Partygast: Und dann?
Ich: Dann passiert was.
Partygast: …Hast du vielleicht ein Beispiel?
Ich: *innerlich jaulend* Naja, Twilight wäre ein Beispiel. Das spielt in der heutigen Welt, aber es gibt Vampire und…
*breche ab, der Gesprächspartner hat abgeschaltet.*
Partygast: Twilight, hmm. Nee das ist nicht so für mich. Zu viel Schmalz und so.
Ich: *renne zum Buffet und stürze mich ins Kuchenmesser*.

Im Gegensatz zum englischsprachigen Raum ist Urban Fantasy in Deutschland weniger weit verbreitet und vielen unbekannt. Man habt davon schon mal gehört, kann sich aber nichts darunter vorstellen.

Definition
Die beste Definition, die ich gefunden habe (leider finde ich die Quelle nicht mehr): Bei „Normaler“ Fantasy reist der Hauptcharakter in ein mystisches Land, wo die Einhörner in ständigem Streit mit den Zwergen leben. Bei „Urban“ Fantasy wohnen die Einhörner in einer Zweizimmerwohung in Frankfurt-Rödelheim und treffen sich jede Woche mit den Zwergen zum Kampf-Cocktailtrinken im Maintower.

Entstehung:
Urban Fantasy ist ein neuer Begriff, doch seine Wurzeln reichen bis zu den ältesten Geschichten der Menschheit. Zu allen Zeiten haben die Menschen Geschichten erzählt, um sich die Welt erklärbar zu machen. „ist einfach so“ ist sehr schwer für Menschen zu akzeptieren. Der menschliche Geist hasst Löcher und sucht Erklärungen, irgendeine Erklärung. Blitz und Donner passieren nicht einfach, sie sind das bewusste Produkt von Handlungen von Zeus oder Thor. Die Brünnen der Walküren spiegeln sich am Himmel und auf der Erde sieht man das Nordlicht, und Milch wird nicht einfach schlecht, nein, man hat den verantwortlichen Hausgeist verärgert.
Dies änderte sich mit dem Aufkommen der Wissenschaft. Nach und nach wurden die Rätsel gelöst, die Löcher im Wissen gefüllt. Heute wissen wir, warum Milch schlecht wird (man hat die verantwortlichen Bakterien verärgert), und dass der Donner nicht durch Thors Hammer entsteht
nein Thor, tut er nicht, und jetzt hör auf zu maulen und lass mich weiterschreiben.

Entschuldigung! Wo waren wir? Ach ja, bei Löchern. Die alten Löcher wurden gefüllt, doch gleichzeitig taten sich Neue auf. Wer weiß heute denn genau, wie eine Gehirnoperation abläuft, oder wie ein Handy funktioniert, oder ein modernes Auto? Auch buchstäbliche Löcher taten sich auf, Bereiche zu denen man normalerweise keinen Zutritt hat: Was passiert hinter den verspiegelten Fenstern der modernen Bürogebäude, in den Geschäften und Bibliotheken nach Ladenschluss? Sind sie wirklich leer, gibt es da wirklich Löcher? Und schon hat der menschliche Geist wieder ein Loch, dass er mit Geschichten füllt. Und diese Geschichten sind Urban Fantasy, moderne Märchen aus den Städten.

Merkmale:
Romane die der Urban Fantasy zuzuordnen sind, sind extrem unterschiedlich, von knallharten Horrorgeschichten bis hin zu beinahe „klassischen“ Werken. Aber sie haben gewisse gemeinsame Merkmale, die alle diese Bücher durchziehen:

WIRKLICHE WELT: Die Geschichten spielen nicht in einem mythischen Land, sie spielen hier und jetzt, in unserer Welt und in unserem alltäglichem Erleben.

URBAN: Die Kulisse von Urban Fantasy-Romanen ist die Stadt, oder der städtische Raum.
Heutzutage leben die meisten Menschen in Städten, und auch wenn sie auf dem Land leben, sind sie zu Städten hin orientiert.

MAGIE ODER MAGISCHE WESEN: Das ist der „Fantasy“- Anteil von Urban Fantasy. Es gibt Magie, oder es gibt Sagenwesen, die mit den Menschen zusammen den Lebensraum der Stadt teilen. In einigen Geschichten treten sie offen auf. Noch öfter aber leben sie im Verborgenen, verbergen sich vor uns, und die besten Geschichten lassen uns zurück mit einem Gefühl von „könnte es nicht doch sein, dass das wahr ist?“

Das sind die allgemeinen Regeln von Urban Fantasy, wobei natürlich hier (wie eigentlich überall in der Literatur) gilt: Sag mir eine Regel und ich sag dir, wo sie gebrochen wird.

Und an dieser Stelle mache ich einen Schnitt. Nächste Woche gibt es Teil 2. Außerdem fängt am Mittwoch das NanoCamp an, zu dem es diesmal mehr Updates geben wird. An dieser Stelle nur so viel: mein Projekt für das NanoCamp lautet: „Mainhattan-Files“, oder „Was ist Urban Fantasy – die lange Antwort“ (und ich freu mich schon so drauf).

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