Hark – eine Art Weihnachtsgeschichte!

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Lukas 1,8


Hark now hear the angels sing, A new King born today,
And man will live for evermore, Because of Christmas Day,
(Hört den Engel Hark singen, heute ist ein neuer König geboren
Die Menschen werden ewiges Leben erhalten, weil heute Weihnachten ist)
(Boney M: Marys Boychild)

Dieser Tage drängt es mich zu einem Geständnis, das mir nicht leicht fällt: ich mag keine Engel! Besser gesagt, ich mag die Darstellung von Engeln nicht. Süße, fette, nackte Babys mit Flügeln sind als Deko schlichtweg scheußlich, und mal ehrlich- wer kann die ernst nehmen? Schlimmer noch sind die erwachsenen Engel. Die schauen entweder, als müssten sie dringend aufs Klo, oder wie Guido Westerwelle, wenn man ihn nach seinen Wahlversprechen fragt: arrogant, von oben herab, als wäre dieses ganze mit-Menschen-kommunizieren weit unter ihrer Würde und als hätten sie eigentlich viel besseres zu tun, als mit uns Deppen ihre Zeit zu vergeuden.
Besonders schlimm find ich das in der Weihnachtsgeschichte. Da gucken nicht nur die Engel würdig, sondern auch die Hirten. Und die sehen nicht aus wie Hirten, eher wie Fürsten mit edlen Gewändern und alles was ich mir denke, ist: „wo haben die die teuren Klamotten her? Und warum konnten nicht wenigstens die aufs Klo gehen? Die sind schließlich mitten im Nichts, und irgendwo wird’s doch da nen Baum geben.“
Jetzt werdet ihr einwenden: die Würde soll die Würde Gottes darstellen. Darauf antworte ich: die gucken nicht würdig, die gucken verkrampft. In der Bibel steht, dass die loben und preisen. Mit dem Gesicht kannst du niemanden preisen. Du kannst nicht gucken wie Reich-Ranicki, wenn er zu nem besonders heftigen Verriss ansetzt, und dann loben und preisen. Geht einfach nicht.
Vor allem möchte ich diese Gestalten nicht in der Nähe eines Kindes sehen. Die sollten zu ner Kunstausstellung gehn, und Prosecco nippend und in schwarzen Rollis über Kunst parlieren. Aber nen Kind erschrecken die mit der Mine nur. Ihr sagt: das Kind wird nicht anfangen zu heulen. Es ist ein göttliches Kind, das weiß, dass ein Wunder passiert. Dann antworte ich: dann ist es kein Kind. Kinder sind nicht so. Jeder, der mal mit echten Kindern zu tun hatte, wird mir zustimmen.
Kurz: Hirten sind keine Hirten, Kinder keine Kinder, und auf den Rolli-Engel könnten wir, ganz ehrlich, auch gut verzichten.
Dass es auch anders geht, zeigt das Altarbild im Dom von Ludwigslust. Auch dieses Bild zeigt die Hirten und den Engel. Die Bibel nennt seinen Namen nicht, doch aus dem bekannten Lied wissen wir, er heißt Hark. Hark fällt sofort ins Auge, allein wegen seines Umfangs. Es wäre unfair, ihn fett zu nennen. Gut genährt trifft es besser. Er sieht aus wie einer, der immer gern noch eine zweite Portion Weihnachtsgans nimmt, der guten Wein liebt- garantiert beäugt von den Kunstkritiker-Engeln, die Gott vorrechnen, was der Hark wieder alles futtert. Sein Gesicht ist genauso rund wie der Rest des Körpers. Er hat die Augen geschlossen, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Seine Arme hält er weit ausgebreitet, während er den Hirten die frohe Botschaft bringt. Die weißen Flügel geben Aufschluss auf seine göttliche Herkunft: wer bei der Figur mit den Flügelchen fliegen kann- das muss ein Wunder sein!
Die Hirten sehen aus wie man sich Hirten vorstellt. Nix Gewänder! Dunkle Klamotten, einige Tage nicht rasiert, ihr Gesichtsausdruck rangiert von „aus dem Schlaf gerissen“ bis hin zu „völlig erschrocken“, kurz: sie schauen angemessen für die Ankunft eines Engels.
 Was mich an Hark so beeindruckt, ist der tiefe Frieden, den er ausstrahlt. Er hat es nicht nötig, Arroganz vor sich herzutragen. Er spricht für Gott. Das ist die höchste Autorität, und er braucht keine andere. Alle anderen auf dem Bild schauen aufgewühlt, aber er steht völlig ruhig in sich. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass er vor Freude gleich tanzen und singen könnte. Die Botschaft die er da bringt ist die wichtigste der ganzen Welt, die wichtigste aller Zeiten. Hark scheint sich dessen voll bewusst zu sein, und – er freut sich darüber. Der Engel, merken wir, der mag uns, der ist auf unserer Seite. Die Mine, der ganze Engel drückt aus, was er zu sagen hat: fürchtet euch nicht! Es gibt gute Nachrichten! Und dann reißt der Himmel auf, und alle Engel müssen ihren Prosecco stehen lassen und mitsingen!
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3 Gedanken zu „Hark – eine Art Weihnachtsgeschichte!

  1. Zu dem Thema “ wer bei der Figur mit den Flügelchen fliegen kann- das muss ein Wunder sein! “ denke ich an unseren Bio-Unterricht:
    aerodynamisch gesehen kann eine Hummel nicht fliegen…das weiß sie aber nicht und macht es trotzdem!

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