28 Kilo (Teil 1/2)

Meine alte Wohnung- mit Elch
Sollte ich jemals ein Buch schreiben über meine Zeit in Stockholm und wie das alles war, werde ich es „28 Kilo“ nennen. Dies ist nämlich das Höchstgewicht, dass man bei Germanwings ohne Aufpreis mitnehmen darf. Jetzt hören sich 28 Kilo eigentlich gar nicht so wenig an- kommt drauf an, von was man ausgeht: 28 Kilo Gold ist relativ viel, 28 Kilo Gewicht im Fitnessstudio ist relativ wenig, 28 Kilo Kartoffeln kaufen mit Auto ist ok, 28 Kilo Kartoffeln kaufen ohne Auto ist drei Tage Kreuzschmerzen. 28 Kilo Körpergewicht ist relativ viel zu wenig. 28 Kilo Gepäck ist viel, wenn man es auf dem Rücken trägt, 28 Kilo ist extrem wenig, wenn man die gesamten Habe nicht mehr wiegen dürfen….
 
Diese Zahl wurde mir das erste mal im Oktober so richtig bewusst, als ich mich in meiner Wohnung umsah, und feststellte, dass ich 4 Zimmer voll Kram hatte. Was folgte, war die wahrscheinlich extremste Diät meines Lebens. Selbst als ich meinen Ex abgeschossen hab, hab ich wohl nicht so viel überflüssiges Gewicht in so kurzer Zeit verloren. Jedes einzelne Teil wurde in die Hand genommen, und begutachtet: lohnt es sich, aufzuheben? Soll es eingelagert, d.h. 600 Km quer durch die Republik zu meinen Eltern gebracht werden. Ist es so wichtig, dass es nach Schweden mitkommt? Soll es weggeworfen werden? Oder ist es eigentlich zu schade, weggeworfen zu werden? Findet sich vielleicht jemand, der das Teil adoptiert? Auf diese Weise wurde meine gesamte Wohnung begutachtet. Es war beinahe therapeutisch. Man behält so viel Kram, weil man ihn halt hat und er „ja noch gut ist“. Aber man fragt sich viel zu selten, ob man ihn überhaupt braucht, oder ob er einfach nur Platz wegnimmt. Aber nun musste ich mich entscheiden- und bei ca. dreiviertel meiner Sachen entschied ich „brauche ich nicht mehr“ (Anmerkung von 2011: und ich habe von diesen 5000 Einzelartikeln in den letzten zwei Jahren 4 vermisst, und die konnte ich ohne weiteres nachkaufen). Es ist erstaunlich, wie wenig Dinge man wirklich braucht. Und wie problemlos alles seinen neuen Platz findet, wenn man es will. Ebay, schwarzes Brett, Freunde, Nachmieter- und schon war die Wohnung leer. Meine Studien- und Arbeitsunterlagen habe ich eingescannt (mein Tip an Studenten: habt ihr große Mengen an Papiere, fragt eure hiesige Universität, ob einer der Kopierer Einzelblatteinzug und Scanfunktion hat- das spart riesig Zeit, und Platz im Reisegepäck) Meine Bücher habe ich zum großen Teil der hiesigen Bibliothek gestiftet, angesichts der Stunden die ich dort verbracht hab und den Mengen an Ausleihen über die Jahre mehr als fair. Sehr viel habe ich an meine Freunde weitergegeben. Ich bin fort, aber mein Schreibtischsstuhl, meine Couch und der Gummibaum leben weiter!
 
Alles meine Schätze, die ich nicht mitnehmen, aber behalten wollte, brachte ich zu meinen Eltern. Die lagern jetzt auf deren Dachboden. Ich hoffe, sie verhalten sich anständig, obwohl ich die Befürchtung habe, dass die Plüschis wilde Partys feiern, wenn ich nicht auf sie aufpasse…
Am nächsten Tag brachte die Waage die böse Wahrheit ans Licht. Ich hatte immer noch zu viele Sachen für nach Schweden. Fast 10 Kilo zu viel. Die Lösung war, wie selten! die deutsche Post. Für wenig Geld schipperten die mir ein Riesenpaket nach Schweden, und ich konnte entspannt die Reste in meinen Rucksack packen, und gemütlich nach Schweden fliegen. Dachte ich jedenfalls…..
(Fortsetzung in Teil 2)
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